Digitale Kultur

Epics – Die Leitplanken auf dem Weg zum Ziel

In meiner täglichen Arbeit im agilen Umfeld finde ich es oft faszinierend wie unterschiedlich einige Konzepte umgesetzt und gelebt werden. Selbst grundlegende Dinge sind häufig Gegenstand von hitzigen Diskussionen. Ein Konzept, welches mir in dieser Hinsicht häufig über den Weg läuft, ist das Epic. In diesem Beitrag möchte ich kurz darstellen, wie ich sie bei meinen Teams einsetze.

Der Weg ist das Ziel

Ein wichtiger Aspekt einer jeden ehrlich gemeinten Weiterentwicklung ist die klare Definition eines Ziels. Ob man sie nun Agenda 20XX, Vision oder wie auch immer nennt, ist zunächst egal. Wichtig ist, dass allen Beteiligten klar ist, wo es hingeht und worauf man hinarbeitet. Der Weg zum Ziel ist meistens lang und zieht sich über mehrere Jahre. Aber wie können Überblick und die richtige Richtung beibehalten werden?

Ein bewährtes Vorgehen ist ein großes Vorhaben in kleinere und fassbare Etappen zu unterteilen. Innerhalb agiler Vorgehensmodelle sehen wir das gleiche Prinzip. Jemand formuliert eine klare Vision zur Erzeugung von Vorsprung. Diese wird Stück für Stück herunter gebrochen, bis die einzelnen Herausforderungen für ein Team einfach und effizient zu bewältigen sind. Je nach Größe der Vision werden die Herausforderung über mehrere Ebenen immer kleiner. In der Umsetzung arbeiten Teams meist mit Backlog Items wie Aufgaben oder User Stories. Auf dieser Ebene existiert generell ein Konsens welche Eigenschaften so ein Backlog Item haben sollte:

  • Titel
  • Beschreibung
  • Klar definierter Umfang
  • Schätzbar durch das Umsetzungsteam

Betrachtet man die darüber liegenden Ebenen, gibt es allerdings oft eine große Varianz. Am Beispiel von Epics reicht sie von einem einfachen Titeln der als Label für andere Backlog Items genutzt wird, bis hin zu einer kritischen Abstraktionsebene, welche für die Planung der Produktentwicklung genutzt wird.

Epics, Tasks und Stories

Das Epic

In unseren Augen sind Epics mehr als reine Labels denen andere Backlog Items zugeordnet werden. Wir nutzen sie gezielt als Werkzeug, damit Teams die nächste Etappe auf dem Weg zur Vision visualisieren und die Herausforderung zielgerichtet angehen können. Daher hat bei uns jedes Epic die gleichen Eigenschaften wie die darunter liegende Ebene:

  • Titel
  • Beschreibung
  • Klar definierter Umfang
  • Eine Schätzung durch das Team

Nehmen wir als Beispiel das Epic „Benutzerverwaltung“:

Titel: Benutzerverwaltung
Beschreibung:
Für das Produkt FooBar wird eine einfache Benutzerverwaltung benötigt. Die Benutzerverwaltung soll folgende Funktionen unterstützen:
– Anlage von Benutzern
– Login
– Logout
– Löschen von Benutzern
Folgende Funktionen sind nicht relevant:
– Rechteverwaltung
– Sperren von Nutzern
Team Schätzung: 2 – 3 Sprints

Sehr knapp, aber dies ist durchaus ein valides Beispiel für ein Epic wie wir es nutzen. In dieser Form kann es dem Team auf verschiedene Weisen von Nutzen sein:

  • Es beschreibt klar das Ziel und den Umfang der „Benutzerverwaltung“
  • Es dient als Klammer für detaillierte Backlog Items
  • Es unterstützt alle Beteiligten dabei den Überblick auf dem Weg zur Vision zu behalten
  • Es ist durch das Team schätzbar und bietet damit wichtige Informationen für die Planung der Produktentwicklung

Agile „Langzeitplanung“ mit Epics

Ein häufiges Thema im Kontext agiler Vorgehensmodelle ist die Planung und die Vorhersagbarkeit, wann bestimmte Funktionen umgesetzt sein werden. Auch wenn wir in diesen Umgebungen konstant Wert liefern, ist dieser Wunsch aus Sicht von Stakeholdern und Kunden verständlich und berechtigt. Diesem Wunsch können wir mit den oben beschriebenen Epics nachkommen. Zunächst ermöglichen sie die Fokussierung auf einzelne Aspekte des Produktes. Dadurch können komplexere Funktionen effizient geliefert werden. Durch die Schätzung der Epics durch das Team, können wir zusätzlich eine Vorhersage treffen, wann eine bestimmte Funktion voraussichtlich umgesetzt wird und wann die Umsetzung abgeschlossen ist. Hierzu bringen wir die Epics mit den Stakeholdern in eine Reihenfolge (keine Priorisierung). Die Reihenfolge richtet sich für gewöhnlich nach dem erwarteten Geschäftswert eines Epics.

Langzeitplanung mit Epics

Mit dieser Reihenfolge und der Schätzung kann nun eine Vorhersage gemacht werden, wann bestimmte Funktionen abgeschlossen sein könnten. Wir legen hier immer viel Wert auf „könnten“, natürlich werden neue Informationen immer Auswirkungen auf den tatsächlichen Umsetzungszeitpunkt haben. Das liegt aber ja bekanntermaßen im Kern jeder kreativen Wertschöpfung.

Mehr lesen

Planning Poker – Vegas Baby!

Definition of Done – Ich habe (fast) fertig!

New Project means New Scrum!

Training: Effiziente und realistische Planung mit agilen Methoden