Für gewöhnlich wähle ich mein Reiseziel anhand drei Kategorien. Erstens: ich kann mich vom beruflichen Alltag loslösen. Zweitens: es zieht mich in eine spannende Stadt, deren Atmosphäre und Kultur mich umhaut. Oder Drittens: es wartet ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde und mich ordentlich fordert.

Dann gibt es aber auch Reisen, die in jede dieser Kategorien fallen. Wenn die positiven Eindrücke noch Tage danach im Kopf nachwirken, dann wegen Städten wie Lissabon. Dort habe ich mich mit einigen Kollegen zum Oracle Partner PaaS Summer Camp 2018 eingefunden, um Oracles rote Wolken zu beobachten.

Kapitel 1 – Der Aufschwung in die Lüfte mit dem JET

Vorneweg muss ich zugeben: mit einem klassischen Urlaub ist das Summer Camp eher nicht vergleichbar. Als ich einige Monate zuvor eine Mail im Postfach fand mit den simplen Worten „Hey, wäre das nicht was für dich?“, musste ich nicht lange überlegen. Die Gelegenheit Oracles neueste Entwicklungen in der Cloud praxisnah mitzuerleben, sich mit Experten rund um den Oracle Stack aus unterschiedlichen Nationen auszutauschen und nebenbei noch in ein fremdes Land zu verreisen, lässt man sich als Digital Native nicht entgehen!

Denselben Gedanken hatten noch 150 andere Teilnehmer gehabt, welche sich zu insgesamt sechs verschiedenen Tracks eingefunden haben:

  • „Integration & API Management“
  • „Chatbot & APIs“
  • “Innovation: blockchain and robotic process automation”
  • “Integrate & Extend SaaS : CX & ERP & HCM”
  • “Hackathon build a PaaS Solution” sowie
  • “Application Development with Microservices and Containers”

Auch wenn mich alle Tracks gereizt haben, entschied ich mich letztendlich für den Application Development Track. In Oracles Headquarter Portugal, nicht unweit unseres Hotels, hoben wir uns bereits am ersten Tag mit Oracle JET in die Lüfte.

Was genau hat es mit Oracle JET eigentlich auf sich und warum Oracle JET?

Da immer mehr Studienabsolventen überwiegend mit JavaScript Kenntnissen auskommen, lassen sich nur schwer neue Entwickler für Technologien wie APEX oder Forms motivieren. Oracle reagierte auf den Markt und brachte mit Oracle JET (JavaScript Extended Toolkit) ein kostenloses Open Source JS Toolkit heraus, was es in sich hat. Drei Jahre nur intern in der Anwendung, wurde es schließlich als Mix von JavaScript Frameworks (jQuery, jQueryUI, Cordova, Require.js, Knockout) publiziert und bietet eine flexibles, solides und einfach zu bedienendes Starterset für moderne, nutzerfreundliche und responsive UI Applikationen.

Die Oracle JET Core Scripte sind hierbei das Schlüsselelement, welches die reibungslose Zusammenarbeit besagter Komponenten ermöglicht. Das Schöne daran: der modulare Aufbau des Toolkit ermöglicht es, weitere JS Frameworks in die Entwicklung zu integrieren und somit den Baukasten des Entwicklers nach seinen Anforderungen zu erweitern.

Selbst für JS Neulinge bietet Oracle ein „Rezeptbuch“: hier sind sämtliche in Oracle JET verfügbaren Komponenten mit live testbaren Codebeispielen versehen, sodass die Entwicklung an dieser Stelle weiter vereinfacht wird. Der Einstieg ist unglaublich schnell und einfach, nach kurzer Zeit hatte ich bereits meine erste Mini-Applikation am Laufen. Oracle JET gibt es übrigens unter diesem Link.

Ein weiteres, nettes Tool wurde hierbei ebenfalls vorgestellt: ein JSON Server, welcher eine REST API zum Backend Server mockt.

Wer auf eine Open Source basierte Microservices Plattform aus dem Hause Oracle wartet, kann sich auf Railcar, Smith und Crashcart freuen, sowie auf das Projekt „Helidon“, wozu Oracle bereits im Lauf der kommenden Wochen Neuigkeiten aufbereiten wird.

Kapitel 2 – Veni, Vidi, Wolke

Am zweiten Tag schwebten wir bereits in der Wolke: während wir am Vortag noch lokal mit Oracle JET unsere Applikation bastelten, waren wir heute bereits mit dem Visual Builder Cloud Service (VBCS) in der Cloud angekommen: der VBCS liefert eine visuelle Live-GUI zum Erstellen von Oracle JET Anwendungen und vereinfacht die Entwicklung um ein erhebliches Maß. Nicht nur kann ich via Drag and Drop die Oberflächen erstellen, sondern auch ohne Implementierungsaufwand REST Services konsumieren und die klassischen CRUD Operationen abbilden. So ließ sich ohne Codingaufwand bspw. die Twitter API in eine App packen. Die zu bauende App kann zu jedem Zeitpunkt der Entwicklung in den Livemodus geschaltet und getestet werden.

Veni, Vidi, Wolke: ich kam, sah, und war in der Cloud. Selten habe ich solch schnelle und intuitive Deploymentprozesse in die Cloud gesehen. So richtig beigestert haben mich aber dennoch andere Cloud Services aus dem Portfolio, welche innerhalb der Woche ebenfalls praxisnahe Anwendung fanden.

Eine der Perlen stellt für mich der Developer Cloud Service (DCS) sowie Application Container Cloud (ACC) dar. Binnen einer Stunde hatte ich meine zur Verfügung gestellte Cloud Instanz mit Computing und Storage konfiguriert, hatte eine Applikation über das integrierte Git Repository in einem Docker Container laufen und weitere CI/CD Maßnahmen in meiner Instanz konfiguriert.

Build über Maven, Ant oder Gradle? Kein Problem! Automatisches Deployment auf eine bestimmte Instanz, sobald neuer Content im Repository eingecheckt wird? Gerne! DCS bringt noch ein integriertes Wiki mit, ein Task Tracking Tool sowie die Unterstützung mehrerer Sprachen, ganz gleich ob Java, Python, Ruby, Node.js oder PHP.

Ein weiterer nützlicher Service sowie Klassiker bildet der Java Cloud Service, kurz JCS. Hierunter findet man einen WebLogic Application Server, zu dessen Stärken unter anderem automatisiertes Patching, Scaling und Backups gehören. Ein Klon kann mit wenigen Klicks erstellt und wiederverwendet werden. Einen Defizit könnte man jedoch bei der Migration der On Premise Lösung in die Cloud sehen, da der JCS nicht ohne weiteres auf eine On-Premise Datenbank zugreifen kann. In Deutschland befinden sich jedoch immerhin Datenzentren, um hier Abhilfe zu schaffen.

Kapitel 3 – Serverless in der Cloud

Nachdem wir nun mehrere Tage digital unterwegs waren wurde es langsam an der Zeit auch das Umfeld näher kennenzulernen. Lissabon ist schließlich nicht nur Schauplatz unserer Workshops, sondern hat als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Portugals noch einiges mehr zu bieten.

So findet man im Stadtteil Belem das Hieronymitenkloster als Beispiel gotischer Bauwerkskunst oder auch das moderne Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen), welches 1960 zu Ehren der zahlreichen Weltenentdecker Portugals errichtet wurde. Wer den süßen Gaumen mit Pastel de Nata (Puddingtörtchen mit Blätterteig) erfreuen möchte, findet im „Pasteis de Belem“ das wohl älteste und traditionsreichste Café.

Verbunden mit einer kleinen Sightseeing Tour in Belem stand am Donnerstag das Social Dinner Event in den Räumlichkeiten des OFlat an. Das hat nicht nur Flair, sondern bietet auch eine optimale Atmosphäre, um mit den anderen Workshop Teilnehmern wie auch Product Managern schnell ins Gespräch zu kommen. Angeregte Diskussionen lassen sich mit den neu geknüpften Kontakten auch wunderbar mit einem Duell am Kickertisch fortführen. Optional ließ sich anschließend das Nachtleben Lissabons im Stadtviertel Bairro Alto erkunden, wo zahlreiche Bars ihre Pforten bis spät in die Nacht nahe der berühmten Cable Cars öffnen.

Der letzte Tag wurde abgerundet durch einen letzten Ganztages-Workshop rund um Serverless Programming, aka. Function as a Service. Was hat es damit konkret auf sich?

Als Entwickler kümmere ich mich lediglich um die Funktion mit definiertem Input und Output, ich brauche mir keine Gedanken um den Server im Bezug auf Konfiguration und Scaling zu machen, da mir dies bereits durch die Plattform abgenommen wird. Oracles erweitert hierbei ihr Cloudportfolio mit Oracle Functions um ebendiese FaaS Technologie im Docker. Obwohl Oracle Functions dies in der Cloud anbietet, so lässt sich die zugrunde liegende Technologie „FN Project“ bereits jetzt verwenden.

Das FN Project ist obendrein noch Open Source, ist auf allen Docker-lateralen Plattformen ausführbar und unterstützt mehrere Sprachen, aktuell Java, Go, Ruby, Python, PHP sowie Node.js.

Wer den Enterprise Manager aus dem Oracle Umfeld kennt, wird mit FN Metrics vertraut sein: dies soll in Oracle Functions durch FN Metrics & Monitoring abgedeckt, bietet aber zudem eine modernere GUI auf Basis von Prometheus und Grafana.

Epilog

Nun sitze ich wieder am Schreibtisch in Ettlingen und schwärme immer noch von meinen Erfahrungen mit der Oracle Cloud. Auch wenn die uns für das Summer Camp zur Verfügung gestellten Instanzen Startprobleme aufwiesen, die Entwicklung des JCS im Vergleich zum letzten Mal als ich damit in Kontakt kam finde ich erstaunlich. In der vergangenen Woche habe ich so viel Neues gelernt, vieles mitgenommen – auch persönlich – , interessante und neue Kontakte geknüpft und ich kann nur sagen dass es sich mehr als gelohnt hat, dem Summer Camp beizuwohnen.

Man spürt hier richtig mit welchem Engagement sich Oracle an der Weiterentwicklung der Cloud zu schaffen macht und sich auch im Unternehmen intern Veränderungen ergeben. Es macht wirklich Spaß mit der OC zu arbeiten und ich kann es nur empfehlen einen Blick darauf zu werfen. Man startet die Instanz, beginnt damit zu arbeiten, und wenn ich es in einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es „richtig“.

Richtig für den Entwickler: Ich kann mich auf meine Kernaufgaben fokussieren und es fühlt sich einfach „richtig“ an damit zu arbeiten, es macht Spaß und viele sonst mühevolle Stunden der Konfiguration werden mir hier abgenommen.

Aber auch „richtig“ für das Unternehmen, weil es eine richtige Entscheidung ist, die Vorteile der Cloud für zu nutzen und ein breit gefächtertes und untereinander funktionales Cloud-Portfolio von Oracle dies bestens unterstützt. Klar ist aber auch, dass die Oracle Cloud auch für mittelständische Unternehmen nicht die günstigste Variante ist, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Ist man aber auf der Suche nach einer in sich schlüssigen Lösung, welche Entwicklung, DevOps und Geschäftsprozesse vereinfachen soll, dann ist man bestens aufgehoben.

Abschließend kann ich hier das Summer Camp jedem empfehlen, der die neuesten Entwicklungen von Oracle praxisnah erleben möchte. Da die Platzanzahl begrenzt ist sollte man sich bereits früh registrieren, und wenn es nach mir ginge würde ich sofort wieder hin. Bis dahin halte ich mich an die positiven Eindrücken dieser Woche und beobachte weiterhin die roten Wolken.