Innovation

Die Blockchain und ihre Kostenarten

Ach ja, mit Fussball lässt sich ja fast alles vergleichen und erklären… Aber im Ernst: der Unterschied zwischen Public und Private Blockchain ist in meinem Video sicher klar geworden. Aber um in der Analogie zu bleiben: toll mit der Loge… aber wie viel kostet mich das eigentlich!?

Aus meiner Sicht gibt es für Enterprise Blockchains drei unterschiedliche „Kostenarten“. Spannend ist dabei auch, wer die Kosten übernimmt. Denn nicht jeder Teilnehmer einer Lösung ist in der Lage und/oder willens, sich an Entwicklung und Betrieb, sowie den damit verbundenen Kosten zu beteiligen. Regionale Kaffeebauern in Südamerika oder Afrika werden sich z.B. maximal als Teilnehmer/Datenlieferanten der Blockchain-unterstützten Supply-Chain-Lösung („Track and Trace“) einer großen europäischen Kaffeerösterei beteiligen können.

In diesem Post möchte ich für die unterschiedlichen Kostenarten einer Blockchain-Lösung sensibilisieren.

Build

In meinem letzen Post hatte ich das Thema schon einmal angerissen: wenn der Business Case steht und Architekturdesign & Entwicklung starten kann, entstehen Kosten. Ich fasse diese Kostenarten unter „Build“ zusammen.

  • Im Enterprise-Kontext bieten sich Cloud Services der großen Softwarehersteller an. Diese Lösungen bieten einfach eine production-ready Plattform mit vielen out-of-the-box Funktionen zu Entwicklung und Betrieb an. Hier fallen also Lizenzkosten an.
  • Die Blockchain-Lösung bietet bestimmte Mehrwerte im Gesamtprozess an. Aber irgendwie muss der Nutzer ja auch Informationen von der Blockchain lesen oder neue Transaktionen in Blöcken anhängen können. Dazu braucht es – wie bei allen Systemen, mit denen Nutzer interagieren – eine Benutzeroberfläche. Ob das nun eine WebGUI im Browser oder eine Mobile App ist… das kommt auf das Einsatzgebiet an.
  • Die Blockchain löst in den seltensten Fällen bestehende Anwendungen komplett ab. Stattdessen wird diese um die Vorteile der Blockchain erweitern. Das bedeutet, dass man APIs ansteuern und ggf. zuvor entwickeln muss.
  • Chaincode bzw. Smart Contracts sind die Abbildung von Shared Business Logic auf einer gemeinsamen Blockchain. Diese Logik muss – genau wie mit konventioneller Technologie – entwickelt werden. Das ROI-Versprechen ist an dieser Stelle, dass die Shared Business Logic die Entwicklungskosten über deutlich besser integrierte und effizientere Prozesse wieder reinholt. Die meisten Enterprise-Ready Angebote erlauben dabei auch die Verwendung bekannter Programmiersprachen. Entscheidet man sich also für diese lizenzpflichtigen Lösungen, entfällt ein Stück weit eine neue Lernkurve.

Govern

Als Teil des Business Cases stellen sich auch Fragen im rechtlichen Bereich. Diese zu beantworten kostet Ressourcen.

Ebenso sollte ein klarer On-Boarding Prozess definiert sein, wenn ein neuer Teilnehmer eintritt. Im Enterprise-Kontext kann es unterschiedliche Rollen geben, insofern also auch unterschiedliche Onboarding-Prozesse. Es entstehen Fragen wie:

  • Welche Verträge müssen geschlossen werden?
  • Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt und welche Integrations-ToDos umgesetzt werden?
  • Wer übernimmt die „Projektleitung“ des Onboardings?

Zuletzt kann es an die Blockchain-Lösung im Laufe der Zeit auch neue Anforderungen geben. Wenn zum Beispiel ein neuer Teilnehmer eintritt, der eine bis dahin nicht besetzte Rolle einnimmt. Die Shared Business Logic müsste angepasst, neuartige Datenstrukturen auf der Blockchain geteilt werden. Ein stetiges Requirement-Management seitens der Betreiber ist also wichtig und resultiert in entsprechenden Aufwänden.

Operate

Wie jedes andere Softwaresystem muss auch ein Blockchain-Netzwerk betrieben werden. Dazu gehören klassische Themen wie Deployment, Netzwerk-Monitoring und -performance oder auch Security. Auch hier bieten die Blockchain Cloud Services großer Hersteller einige Features. Auch DevOps Konzepte, z.B. eine (teil-) automatisierte CI/CD Pipeline sind möglich.

Zusammenfassung

Jede Kostenart spielt eine Rolle. Und keine davon sollte bei Aufstellung und Validierung des Business Cases (vgl. Phase 1 meines vorherigen Artikels) außer Acht gelassen werden. Tatsächlich ist im Enterprise Kontext gut zu überlegen, welcher Teilnehmer sich in welchen Prozessen – und damit auch bei den jeweiligen Kosten – einbringt. Hier geht es zum letzten Teil meiner Blockchain-Trilogie.

Wer auf unterhaltsame Weise mehr über die Blockchain erfahren möchte, dem darf ich noch meine Session „Blockchain – die nackte Wahrheit“ bei metronoms #techtrends ans Herz legen: