Architektur

OOW15 und Java One: Mit Volldampf Richtung Cloud Computing

Markus Lohn
Markus Lohn

In diesem Jahr fand die Oracle Open World und Java One vergleichsweise spät vom 25.10. – 29.10.2015 in San Francisco statt. Die Oracle Open World stand vor allem unter dem Motto Cloud Plattform Strategie. Auf der Java One stand das 20-jährige Bestehen der Programmiersprache Java im Vordergrund. Zusammenfassend möchte ich meine persönlichen Highlights und Erkenntnisse kompakt schildern.

Oracle Cloud Platform Strategie

Ingesamt hat Oracle einen guten Fortschritt in Richtung Cloud Computing erzielt. Die wichtigsten drei Botschaften in Bezug auf die Cloud-Strategie waren:

1. Private und Public Cloud Architektur

Die in der Public Cloud eingesetzten Software- und Hardware-Komponenten sind praktisch identisch mit den Produkten, die On-Premise genutzt werden können. Somit können Kunden sehr einfach zwischen Private und Public Cloud Architektur wählen ohne ihre Anwendungen verändern zu müssen. Diese Architektur ermöglicht prinzipiell auch einen hybriden Ansatz, indem beispielsweise ein der Teil der Workload in der Public Cloud verarbeitet wird und der Rest in der Private Cloud. Ein amerikanischer Retailer hat diese Architektur auf Basis der Oracle Produkte erfolgreich implementiert und verarbeitet damit insgesamt 2. Mio. Nachrichten in der Stunde. Die Architektur erlaubt Flexibilität auf dem Weg in das Cloud Computing. Der Ansatz kann auch für deutsche Kunden durchaus interessant sein ohne gleich komplett den Weg in die Cloud anzutreten.

Oracle Cloud Architecture

2. Sicherheit

Für den europäischen, speziell für den deutschen Markt, hat das Thema Sicherheit eine sehr hohe Bedeutung. Ganz besonders zu diesem Thema hat Larry Ellison seine zweite Keynote gewidmet. Die wichtigste Aussage war, dass die Sicherheitseinstellungen in der Cloud immer aktiviert werden (“Security will always be on.”). Es gibt keine Möglichkeit diese Einstellungen zu deaktivieren. Alle Daten werden verschlüsselt übertragen und gespeichert. Kein Oracle-Mitarbeiter wird Zugriff auf die Daten von Kunden erhalten. Der Key zum Verschlüsseln der Daten wird ausschließlich beim Kunden gespeichert. Geht dieser Schlüssel verloren, können die Daten nicht mehr entschlüsselt werden.

Zusätzlich wurden einige neue Sicherheits-Funktionen und Verbesserungen an den bestehenden Optionen vorgestellt. Oracle nimmt das Thema sehr ernst und versucht Lösungen sehr tief im Technology-Stack zu implementieren. Insbesondere der neue Prozessor M7 zeigt dies eindrucksvoll. Er bietet bereits auf Hardware-Ebene Schutz vor bestimmten Angriffs-Szenarien.

Oracle Cloud Security

3. Adoption

In der Vergangenheit hat Oracle vor allem durch seine Geschwindigkeit in der Durchführung von Veränderungen geglänzt. Als Beispiele sind die diversen Akquisitionen von Firmen zu nennen. Manchmal hat es Oracle auch mit der Brechstange versucht. Im Falle der Cloud-Adaption scheint es wohl eine Kehrtwende bei Oracle zu geben. Larry Ellison erläuterte, dass die Transformation in Richtung Cloud Computing bei Oracle mit dem Projekt Fusion Applications vor 10 Jahren gestartet wurde. Das bedeutete für Oracle einen erheblichen Invest in das Engineering der Produkte in Richtung Cloud. Weiter erläuterte er, dass die Reise erst begonnen hat und es noch viele Jahre dauern würde, bis Cloud Computing sich tatsächlich durchgesetzen wird. Oracle geht davon aus, dass in etwa 10 Jahren mehr Workloud in der Cloud als On-Premise verarbeitet werden wird. Somit gesteht sich Oracle und seinen Kunden mehr Zeit ein, um den Weg in die Cloud anzutreten.

Oracle Cloud Computing

Die Cloudstrategie führt auch zu einer erheblichen Veränderung innerhalb von Oracle. Oracle verfolgt die Strategie, dass ab sofort vierteljährlich ein neues Release in der Cloud veröffentlich werden muss. On-Premise Releases werden nur noch einmal im Jahr veröffentlicht.

Neues aus der Produktwelt von Oracle

Im Laufe der Open World wurden viele Neuheiten vorgestellt, hier meine Highlights:

WebLogic 12.2.1

Das neue Release vom WebLogic Server bietet nun wie die Datenbank das Multitenant Feature an. Mit dieser Funktion hat der WebLogic die stärkste Architekturänderung seit 10 Jahren erfahren. Mit Multitenancy können Ressourcen und Anwendungen innerhalb einer JVM voneinander getrennt werden. In der Vergangenheit wurde das meist durch separate WebLogic Domänen gelöst. Hiermit verspricht Oracle Hardware -Ressourcen besser auszunutzen.

Oracle SOA Suite 12.2.1

Fehlertoleranz und Management sind in diesem Release der SOA Suite wichtige Punkte. Zusätzlich wurde mit der Nutzung von Coherence eine Abstraktion zum Dehydration Store eingeführt. Hierdurch sollte sich die Performance nochmals erheblich steigern. Für die Entwickler sind sicherlich der XSLT-Debugger oder die Nutzung von JavaScript interessante neue Funktionen.

Applikations-Frameworks

Im Bereich der Anwendungsentwicklung hat Oracle die neue Version von Oracle ADF vorgestellt. Darüber hinaus wurde auch eine neue Version von Oracle Forms angekündigt. Totgesagte leben länger! Somit werden bestehende Forms Kunden nicht unbedingt zu einem radikalen Wechsel der Applikationsplattform gezwungen. JavaScript ist im Ranking von Programmiersprachen bereits im vorderen Bereich angekommen. Insbesondere in der mobilen Anwendungsentwicklung ist JavaScript etabliert. Auch Oracle hat diesen Trend erkannt und mit Oracle JET ein eigenes Applikationsframework für JavaScript entwickelt. Das Framework beinhaltet neben einigen Eigenentwicklungen auch viele etablierte JavaScript Frameworks, z. B. jQuery, Knockout etc.

Oracle bietet verschiedene Frameworks für die unterschiedlichen Einsatzgebiete und Entwickler-Kenntnisse. Auch in der Zukunft wird die Auswahl bei einer Neuentwicklung nicht ganz einfach sein.

Oracle 12.2 Datenbank Beta

Das Beta-Programm für das Release 12.2 wurde bekanntgegeben. Es gibt zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen zu bestehende Optionen. Vor allem das Thema Pluggable Database und In-Memory. Pluggable Database lassen sich jetzt auch online zwischen Servern und Rechenzentren verschieben. Auch im Bereich der Verteilung von Daten (Partitionierung)  gibt es mit Database Sharding eine neue Funktion. Letztendlich geht es darum, Daten nach einem bestimmten Schlüssel auf verschiedene unabhängige Datenbanken zu verteilen. Die bestehende Partitioning-Option hat das bisher nur innerhalb einer physikalischen Datenbank durchgeführt.

Cloud-Dienste

Zahlreiche Aktualisierungen bzw. Neuankündigungen von Cloud Services wurden veröffentlicht. Interessante Services sind beispielsweise der Application Builder. Mit einer sehr intuitiv zu benutzenden Weboberfläche lassen sich SAAS-Anwendungen erweitern oder völlig neue Anwendungen erstellen. Alles funktioniert ausschließlich deklarativ und webbasiert. Ein weiteres neues Angebot stellt der IoT Cloud Service dar. Der Service unterstützt bei der Implementierung von IoT-gestützten Lösungen. Er bietet u.a. auch Integrationen zu bestehenden Services, wie beispielsweise dem Integration Cloud Service. Wenn man einen Cloud Service im Bereich Application Development bei Oracle bucht, wird automatisch auch der Developer Cloud Service vorbereitet. Dieser Service bietet ein git-Repository und weitere Funktionen, die den Entwicklungsprozess unterstützen, z. B. Wikis, Issue-Management und Buildserver.

Ein weiteres Highlight war die Ankündigung für einen Cloud Services zum Betrieb von Containern auf Basis von Docker. Das ermöglicht viele Anwendungsfälle, vor allem im Bereich von Microservices-Architekturen. Für mich persönlich hat das zwei interessante Aspekte. Zum einen ermöglicht das den Betrieb von Non-Oracle Lösungen in der Oracle Cloud und zum anderen verschließt sich Oracle nicht mehr zwingend dem Open Source Gedanken. Vielmehr hat die Konferenz gezeigt, dass Oracle durchaus bereit ist im Bereich Open Source ein stärkeres Engagement zu zeigen.

20 Jahre Java

Im Bereich Java stand vor allem das 20-jährige Jubiläum im Vordergrund. Aus technologischer Sicht waren die Themen JDK 9, Modularisierung in Java (Jigsaw) und der Einsatz von Nashorn in Java 8 interessant.

Fazit

Neben den hier genannten Highlights gibt es natürlich noch viele weitere Neuigkeiten, z. B. im Bereich der Engineered Systems, der Datenbank, der Business Anwendungen etc. In den nächsten Wochen wird es sicherlich noch weitere Gelegenheiten geben, sich über die vielen Neuigkeiten zu informieren. Die nächste gute Möglichkeit ist die DOAG Konferenz in Nürnberg. In Deutschland steht man dem Thema Cloud bekanntlich noch kritisch gegenüber. Es werden noch einige Jahre ins Land gehen bis Cloud-Lösungen auch in Deutschland mehr Anwendung finden werden. Mit der von Oracle angekündigten Architektur für die Private und Public Cloud wird der Umstieg auf jeden Fall sehr leicht gemacht. Somit können schon heute Vorbereitungen getroffen werden, um einen einfachen Weg in die Cloud sicherzustellen. Natürlich ermöglicht das auch einen Hybridansatz, um die Vorteile beider Varianten auszunutzen.

Insgesamt steigt aus meiner Sicht die Komplexität in der IT sukzessive weiter an. Cloud Computing vereinfacht in manchen Bereichen, schafft jedoch auch eine neue Komplexität, vor allem im Bereich der Integration. Somit ist sicherlich auch in Zukunft weiterer Beratungsbedarf notwendig.

JavaScript als Programmiersprache ist mittlerweile etabliert und verbreitet. Viele Hersteller adaptieren JavaScript-Support in ihren Produkten. Auch Oracle hat sich dem Thema JavaScript angenommen. Beispielsweise mit dem neuen Framework Oracle JET oder JavaScript Support im OSB oder SOA Suite. Anekdote am Rande: Zum Beginn meiner IT-Laufbahn war der Einsatz von JavaScript auf ein Minimum zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Maximal für die client-seitige Validierung war JavaScript akzeptiert. Wie sich die Zeiten ändern…

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