Architektur

Missverständnis 4: „Agilität ist doch nur was für Entwickler!“

Zuvor wurde diese Blog-Artikel-Serie über typische Missverständnisse im Kontext Agilität und Software-Architektur bereits gestartet.

Missverständnis 4: „Agilität ist doch nur was für Entwickler!“

Gemischte Teams sind heutzutage besonders gefragt, um agil arbeiten zu können. „Build, Ship, Operate“ aus einer Hand ohne im Ticketdschungel stecken zu bleiben, ist das Versprechen, welches hinter DevOps steckt. Anstelle eines durch verwaltungstechnische Maßnahmen (Ticketsystem) aufgeblähten Prozesses, wünscht man sich die schnelle teaminterne Lösung mit direkter Kommunikation. Eine Voraussetzung ist jedoch das agile Mindset. Das Team muss bereit sein, selbst die Verantwortung für sein Produkt zu übernehmen. Jeder Einzelne muss dabei mitmachen, anstatt „Toll, Ein Anderer Macht’s“ auszuleben. Dieser Kulturwechsel benötigt Zeit und muss von der gesamten Organisation – inklusive Führungsebene – getragen und gelebt werden. Wurde in einem Team (und für ein Team) ein Umfeld und eine Atmosphäre von gegenseitigem Vertrauen, maximaler Transparenz und gegenseitiger Wertschätzung geschaffen, dann kann das Team ungeahnte Höchstleistungen erzielen. Jeder, der schon einmal so eine Situation erlebt hat, wird das bestätigen können.

Doch dies hört beim Team noch lange nicht auf. Es ist zudem erforderlich eine Steuerung für die Teams zu schaffen, welche die Dynamik der Softwareentwicklung und die zugehörigen Mechanismen versteht und Experten aus einem Dreiklang von technischer Entwicklungs- und Betriebsperspektive, wie auch von fachlichem Prozessverständnis vereinigt. Es ist notwendig technische Expertise bei der Erstellung einer zugehörigen Makro-Architektur mit der Fachlichkeit zusammenzubringen, um übergeordnete Fachzusammenhänge zielgerichtet zusammenführen zu können. Dazu wird in der Vorgehensweise eine Mischung aus gezieltem Steuern und Ermöglichen von Entscheidungsfreiheit, sowie dem Aufgreifen und Anknüpfen loser Enden benötigt.  Zu den Prinzipien der Agilität kommt dazu die Kommunikation in beide Richtungen auf Augenhöhe zu ermöglichen. Ansätze wie OKR (Objectives and Key Results) helfen insbesondere dabei, Transparenz in der Zielsetzung für alle Beteiligten herzustellen. OKR ist wie bspw. SCRUM ebenso iterativ angelegt und hilft bei der ständigen Adaption der Ziele und bei der ständigen Suche nach Verbesserung.

Fazit

Durch agile Ansätze kann die Motivation in einem Team deutlich verbessert werden, aber zu vollen Entfaltung kann dies nur gelangen, wenn auch das Umfeld außerhalb des Teams diese Prinzipien beherzigt und eine zugehörige Transparenz herstellt. Intrinsische Motivation wird gefördert, wenn man selbst ermessen kann, was das konkrete Ziel ist und was man selbst dazu beiträgt. Somit wird jeder zum wertvollen Teil eines großen Ganzen.

In den heutigen Entwicklungsteams verfügt jeder über einen relativ hohen Ausbildungsgrad und kann mit Komplexität in aller Regel gut umgehen. Die heutigen technischen Experten werden zudem tendenziell eher durch das Streben nach einem höheren Ziel motiviert als durch rein materielle Anreize.

Dies erfordert dann im Endeffekt auch, dass das Toplevel-Management ebenso mitspielt und sich den Spielregeln genauso unterwirft. Entscheidungen müssen transparent gemacht werden, Kommunikation muss in beide Richtungen erfolgen können. Die letztliche Entscheidungshoheit muss aus unternehmerischer Sicht natürlich zentral konsolidiert und zusammengeführt werden. In der heutigen komplexen Welt ist es jedoch kaum noch möglich, dass ein Einzelner alle Zusammenhänge bis in letzte Detail durchschaut. Vertrauen und Transparenz spielen deshalb bei agilen Ansätzen eine zentrale Rolle – in beide Richtungen.

Code Monkeys

An dieser Stelle noch eine Anmerkung zur Beziehung Management und Entwickler. Im Englischsprachigen gibt es für Entwickler den abfälligen Begriff „Code Monkey“. Dieser Begriff beschreibt, dass Entwickler nur auf ihre rein „ausführende“ Notwendigkeit reduziert werden. In Bereichen, in denen Entwickler nur als „Code Monkeys“ von Management-Seite wahrgenommen werden (und dabei ist es unerheblich, ob dies nur gefühlt der Fall ist oder Realität), ist es sehr schwierig, das notwendige gegenseitige Vertrauen und die notwendige Transparenz herzustellen. Beim heutigen Mangel an IT-Experten kann sich kaum ein Unternehmen diese herablassende Haltung gegenüber ihren Mitarbeitern noch leisten.

Das wollen wir nicht!

Wie kann man es also besser machen? Transparenz und Kommunikation sind der Schlüssel bei dem Ziel gegenseitige Wertschätzung zu erreichen. In aller Regel schätzen Mitarbeiter ihr Management, wenn sie sie das Gefühl haben, Gehör zu finden und Ernst genommen zu werden.

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