Digitale Kultur

Erfahrungsbericht – Ein halbes Jahr Erfolg mit OKRs

Im Artikel Erfolg hat drei Buchstaben – OKR! habe ich bereits darüber geschrieben, was OKRs denn überhaupt sind und wie uns die Methode innerhalb eines dezentralen Teams hilft, erfolgreicher zu arbeiten. Seit mehr als einem halben Jahr arbeiten wir bereits mit der Führungsmethode und es ist an der Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen. In diesem Blogpost will ich auf unsere persönlichen Learnings eingehen und damit auch Tipps & Tricks für die Einführung der Methode in Deinem Unternehmen liefern.

Output != Outcome

Liest man sich diverse Artikel zum Thema OKRs durch, so mag der Eindruck entstehen, das Konzept wäre super einfach zu implementieren. Das dachten wir auch. Doch auch wenn das Konzept in der Theorie super einfach klingt, erfordert es einiges an Übung, die richtigen Objectives und insbesondere Key Results zu finden. 

Ein häufiger Fehler bei der Formulierung von OKRs war, dass wir uns zu stark auf Outputs – also klassische Aufgaben fokussiert haben. Hast Du diese Scheuklappen einmal auf, fällt es schwer das Denken in eine andere Richtung zu lenken. Viel wichtiger sind bei OKRs nämlich folgende Fragen, die auf ein Outcome abzielen: 

  • “Was will ich innerhalb des Quartals wirklich erreichen?” und 
  • “Welche Kernergebnisse steigern die Wahrscheinlichkeit am meisten, meine Ziele zu erreichen?”

Die Key Results bekleiden damit keine konkreten Aufgaben, sondern, wie der Name bereits andeutet, Ergebnisse! Wie Du diese tatsächlich erreichst, wird dabei bewusst offen gehalten. Schließlich kann es mehrere Wege zum Ziel geben. Wird der Lösungsweg bereits von vornherein festgelegt, versteifst Du dich darauf und schränkst deine Gedankengänge ein. Die gedankliche Befreiung von der Aufgabe oder dem Produkt ist bei der Formulierung von OKRs die größte Hürde und Bedarf vor allem eines: Übung! 

“Was man nicht messen kann, soll man messbar machen” – Galileo Galilei

Die schwierigste, aber eben auch wichtigste Eigenschaft von Key Results ist die Messbarkeit. Was bringt Dir schließlich ein Ergebnis, wenn Du nicht überprüfen kannst, ob Du dein Ziel damit tatsächlich erreicht hast? Doch meinen Kollegen und mir ist es teilweise schwer gefallen, messbare Key Results zu finden. Oftmals sind uns dabei gewisse Meilensteine in einem Projekt eingefallen, die wiederum eher einem Input oder Output und nicht einem Ergebnis/ Outcome glichen. “Verfassen von drei Blog-Artikeln” ist beispielsweise kein wirklich gutes und messbares KR. Abhilfe schaffen hier die oben genannten Fragen, die Dir helfen out-of-the-box zu denken. Im obigen Beispiel könnte das Outcome lauten: “5.000 Twitter-Impressionen mit eigenen Blog-Artikeln generieren”. Denn schließlich will ich am liebsten, dass meine Blogartikel von vielen Leuten wahrgenommen und gelesen werden. Das ist das, was ich am Ende des Quartals erreicht haben will. Schreibe ich drei Blogartikel nur, um sie geschrieben zu haben und das OKR abhaken zu können, leidet womöglich die Qualität und ich verfehle den eigentlichen Sinn der Methode.

Dennoch ist es nicht immer möglich, OKRs nach Lehrbuch zu definieren. In manchen Bereichen lassen sich kaum Kennzahlen finden, die sinnvoll als Metrik für ein KR genutzt werden können. Auch wenn ein gemeinsames Verständnis im Team sehr wichtig ist, macht es Sinn, gewisse Freiräume zu lassen. Letztlich muss jeder seinen eigenen Stil beim Formulieren von OKRs finden.

Reflexion als größter Nutzen

Mit der Formulierung der OKRs fängst Du, sofern Du sie auch richtig formulierst und keine Checkliste daraus machst, automatisch an, Dir Gedanken über Motivation und Ziele zu machen. Hier liegt unserer Meinung nach auch der größte Mehrwert der Methode. Die tiefgreifende Reflexion führt zu mehr Motivation und Eigenkontrolle. Durch die öffentliche Verfügbarkeit der OKRs und der regelmäßigen Reflexion der Fortschritte entsteht darüber hinaus Transparenz und Orientierung im Team.

OKRs und Tagesgeschäft müssen zusammenpassen

Zu Beginn haben wir die Methode ausschließlich intern und für Ziele innerhalb unseres Geschäftskreis angewandt. Das heißt, die persönlichen OKRs zahlen auf die des Geschäftskreis ein, diese wiederum auf die Unternehmensziele. Als Berater sind wir jedoch viel in Kundenprojekten unterwegs und können nur einen begrenzten Anteil unserer Arbeitszeit für interne Tätigkeiten aufbringen. Da die internen OKRs damit nicht zum Tagesgeschäft gepasst haben, sind sie schnell im Arbeitsalltag untergegangen. In Zukunft fokussieren wir uns daher darauf, OKRs und Tagesgeschäft in Einklang zu bringen.

Es wird vielleicht nicht einfacher, aber Du wirst besser

Die verschiedenen Dynamiken von OKRs erkennst Du erst, wenn Du mit ihnen arbeitest. Nur wenn Du experimentierst, kannst Du auch lernen, mit der Methodik in Deinem Umfeld richtig umzugehen. Teilweise erkennst Du erst innerhalb eines Quartals, dass definierte Key Results nicht wie erhofft auf das Objective hinarbeiten oder nicht ambitioniert genug gesetzt wurden. Dieser Lerneffekt macht Dich nach und nach besser. Wichtig ist dabei zu verstehen, das es sich um einen Prozess handelt. Dieser benötigt Zeit! 

Für die Einführung der Methode in Deinem Unternehmen können wir Dir noch folgende Tipps mit auf den Weg geben:

  • Bei der Einführung der Methode macht es Sinn, die ersten OKRs gemeinsam im Team zu formulieren. Das schärft ein gemeinsames Verständnis und verhindert, dass formale Fehler wegen Unwissenheit begangen werden. 
  • Bei der Formulierung von OKRs solltest Du nicht ZU viel nachdenken und es einfach ausprobieren. (#Overengineering) 
  • Suche den regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten. Hier holst du dir oftmals Inspiration für eigene Ziele. Im Team haben wir dafür regelmäßige Check-In Meetings.

Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg. In diesem Sinne, happy OKRing!