Innovation

Das Elektrofahrzeug im Stau oder auf der Überholspur?

Das ambitionierte Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen, war zentrales Thema der Nationalen Konferenz Elektromobilität (Titel: „Elektromobilität: Stark in den Markt“). Es kamen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung zusammen. In diesem Post fasse ich meine persönlichen Eindrücke der Konferenz zusammen, habe ein paar interessante Daten zur Elektromobilität für euch und zeige auf, wie die Informationstechnologie den Wandel der Mobilität unterstützen kann.

Elektromobilität = Fahrspaß

Je nach Studie sind heute zwischen 19.000 und 35.000 Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs. Besser sieht es da schon bei den Elektrofahrrädern (Pedelec) aus, alleine 2014 wurden 480.000 Stück verkauft (siehe Diagramm, Quelle: Zweirad-Industrie-Verband). Bis Ende des Jahres will die Automobil-Industrie die Angebotspalette auf 29 elektrisch betriebene Fahrzeugmodelle (Hybrid-Antrieb eingerechnet) erhöhen. Die Politik hält daher weiter am ausgegebenen Ziel fest.

 

Verkehrsminister Dobrindt sieht Nachholbedarf in der Vermarktung. Der Bürger müsse erkennen, dass Elektromobilität Fahrspaß bedeutet. Ferner müsse der Ausbau der Ladeinfrastruktur (bis 2017 sollen alle Autobahnraststätten über Ladesäulen verfügen) und die Verkürzung von Ladedauern vorangetrieben werden. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hält das Ziel inzwischen für ambitioniert, beeilt sich aber zu ergänzen, dass daher Einfallsreichtum geboten sei, um möglichst nahe an die Vorgabe zu gelangen. Wer schon mal mit einem Elektrofahrzeug unterwegs gewesen ist, weiß dass sich dahinter tatsächlich Fahrfreude verbirgt. Wer lässt den Sportwagen nicht gerne an der Ampel stehen? Woran aber krankt dann der Markt für Elektrofahrzeuge derzeit? Als Hauptgründe werden in der Regel Preis, Reichweite und Ladedauern angeführt.

Kein deutsches Tesla in Sicht

Auf der Konferenz ist daher die Batterietechnologie immer wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Sicherlich ist dies aus Unternehmenssicht ein wichtiger Faktor, zumal die Batterie derzeit bis zu 40% der Wertschöpfung eines Elektrofahrzeugs ausmacht und in Deutschland keine nennenswerte Produktion stattfindet. Wie aber stellt sich das Problem der Batterie aus Sicht des Endkunden dar? Aktuelle Fahrzeuge (Tesla ausgenommen) haben Reichweiten von maximal 150 bis 200 km. Für die Urlaubsreise mit dem Elektrofahrzeug sind also zumindest Aufladen und Wartezeiten einzurechnen. Im Alltag sieht es allerdings anders aus, hier greift das Argument der Reichweite nicht, die durchschnittliche Verkehrsleistung liegt 41,7 km je Person und Tag (zumeist mit dem Auto, siehe Grafik; detaillierte Zahlen finden sich im Bericht des deutschen Mobilitätspanels). Der Stromer erledigt die alltäglichen Anforderungen also mühelos und kann nach Bedarf auch über Nacht geladen werden, aktuell fehlt es sicherlich aber an der Information, dass dies möglich ist.

 

Bleiben die höheren Kaufpreise gegenüber den Verbrennern als Gegenargument. Diese sind derzeit der technologischen Weiterentwicklung und den geringeren Produktionszahlen geschuldet. In der Diskussion wird allerdings auch vergessen, dass das Elektrofahrzeug deutlich geringere Unterhaltungskosten aufweist – ein Grund weshalb kaum ein Verkäufer im Autohaus das Elektrofahrzeug anpreisen wird.

Wie Elektromobilität hip wird

Was kann das Elektrofahrzeug daher „hip“ werden lassen, wie die Kanzlerin sagt? Aus eigner Erfahrung ist nicht nur der Antriebsstrang, sondern auch die weitere Digitalisierung durch Informationstechnologie ein wichtiger Faktor. Leider wurde dies auf der Konferenz nicht ausführlich genug diskutiert. Die Informationstechnologie kann einen entscheidend Beitrag zur Akzeptanz der Elektromobilität und allgemein neuer Mobilitätsangebote leisten!

Aktuell ist die Integration verschiedener Dienste ein wichtiges Thema – hierzu zählen beispielsweise Fahrassistenzsysteme oder einfach nutzbare Dienste zu aktuellen Verkehrsinformationen sowie die Ad-hoc-Planung von Routen (inklusive dem dynamischen Wechsel des Verkehrsträgers). Die Informationssysteme können den Endkunden somit auch auf neue Möglichkeiten aufmerksam machen und grundlegend deren Nutzung fördern. Transparenz ist in diesem Fall wichtig, um die gesamte Verkehrsentwicklung positiv für uns alle zu gestalten. Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die Interoperabilität der Dienste. Ein aktuell größeres Problem im Bereich Elektromobilität ist noch immer das Roaming beim Aufladen des Fahrzeugs. Hier gibt es bereits interessante Ansätze, die jedoch noch keine umfassenden Lösungen darstellen, teilweise fehlt es auch an der Aktualität von Informationen (wo genau ist die Ladesäule und ist diese gerade besetzt). Solange der Anwender gezwungen ist, sich umständlich beim Anbieter einzelner Ladesäulen anzumelden, leidet – bei längeren Fahrten – die Attraktivität der Elektromobilität.

Aktuell reicht es dem Stromer somit noch nicht ganz für den Überholvorgang, außerhalb des Windschattens wird derzeit noch offensichtlich wo die Probleme liegen. Automobilindustrie und Informationstechnologie sind weiterhin gefragt innovative Lösungen zu entwickeln und am Markt zu etablieren. Wir werden daher im Blog weiterhin über Elektromobilität und aktuelle Entwicklungen im Bereich der Informationsdienstleistungen berichten – stay tuned!

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