Innovation

Design Sprint: In einer Woche von Idee zum Konzept

Die „Design Sprint“-Methode, die durch Google Ventures und das entsprechende Buch von Jake Knapp beworben wird, gewinnt in allerlei Branchen immer mehr an Beliebtheit. enpit consulting, ein Mitglied der scope alliance, hat deshalb in der Woche vom 24. bis zum 28. Juli einen solchen Sprint durchgeführt. Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch Mitarbeiter aus Unternehmen der scope alliance eingeladen. Mir wurde die Ehre zuteil, esentri zu vertreten und mit dem Team von enpit den gesamten Weg von Idee bis zum Konzept zu gehen. Das Hauptziel: kennenlernen des Design Sprints als Prozess an einem Beispiel. Live & in Farbe.

Ein langer Weg auf kurzer Strecke

Die Idee klingt erstmal abgehoben: der Plan ist, möglichst viele Elemente eines normalerweise monatelangen Designprozesses in einer Woche unterzubringen. Allerdings wird diese Woche genau eingeteilt und es werden wichtige Punkte beachtet, die zur Vermeidung von endlosen, oft im Kreis drehenden Debatten dienen. Diese sind eigentlich der Hauptgrund, warum ein solcher Designprozess sehr lange brauchen kann.

Der „Design Sprint“ umfasst auch die direkte Prüfung der entwickelten Konzepte und Ideen mithilfe eines Prototyps und Testsitzungen mit Kundenzielgruppen, sodass nach nur einer Woche konkretes Feedback vorliegt. Das ist vor allem ein großer Vorteil, wenn es sich um eine innovative Idee handelt, bei der sich durch fehlende Erfahrungen die Einschätzung von Kundenreaktionen als schwierig erweist.

In fünf Schritten direkt zum Ziel

Understand

Am Montag Morgen ging es im neuen „Projektbüro“ der enpit direkt los – das erste Ziel: die Definition des Ziels! Jeder Schritt im Design Sprint ist darauf ausgelegt, entscheidende Fragen zu klären. Diese werden am ersten Tag formuliert, nachdem die Idee jedem Mitglied des Teams klar gemacht wurde. Dazu erstellten wir eine Workflow-Map, die unserer Idee zugrunde lag, und überlegten uns Verbesserungen, die an einzelnen Prozessschritten festgemacht wurden. Hier sollten in der „Expertenrunde“ auch Erfahrene auf dem relevanten Gebiet eingeladen und befragt werden.

Diverge

Den zweiten Tag begannen wir mit einer Recherche zu bestehenden Lösungen. Dabei durchsuchten wir AppStores und das Internet nach ähnlichen Programmen und notierten Features, die uns auffielen. Daraufhin stellten wir die Suchergebnisse vor und sammelten die Funktionen, die uns im Team als am Wichtigsten erschienen. Die zweite Hälfte des Tages war kreativ: jeder suchte sich einen einzelnen, potentiellen Verbesserungspunkt im Prozess aus. Für jeden dieser Punkte erstellten wir eine mögliche Lösung auf einer Skizze – möglichst selbsterklärend, damit die Idee für sich selbst wirken kann.

Converge

Mittwoch war der entscheidende Tag für die Frage „Was wollen wir eigentlich ausprobieren?“. Im Rahmen von einzelnen Vergleichsrunden entschied das Team zwischen „Winner“ und „Maybe Later“. Die besten Ideen & Features wurden dann am Nachmittag zu einem Storyboard zusammengestellt, welches uns als Grundlage für den Prototyp diente.

Prototype

Dieser musste nämlich am folgenden Tag erstellt werden. Nachdem wir uns für Keynote und Origami Studio entschieden hatten, teilten wir das Storyboard im Team auf und machten uns an den Bau eines umfangreichen Wireframe. Leider reichte die Zeit nicht ganz aus, um unsere Ideen im komplexen Origami Studio vollständig unterzubringen. Dafür war unser Process Flow gut in Keynote untergebracht. Nach einem letzten Test der Kamera und des Befragungsprozesses für Testpersonen waren wir uns sicher, dass wir am nächsten Tag viele interessante Einblicke in die Gedanken von potentiellen Nutzern gewinnen können.

Test

Am Freitag hieß es dann „Test“. Wir stellten unseren Prototyp Besuchern der umliegenden Fußgängerzone und zwei Mitarbeitern von esentri vor. Dabei machten wir uns genaue Notizen: darüber, wie die Benutzer sich von der Benutzeroberfläche leiten ließen, welchen Problemen sie begegneten, und was von mehreren Nutzern als besonders gute Funktionalität bewertet wurde. Einige Muster kehrten dabei bei mehreren Testpersonen wieder. Dies waren für uns die wichtigsten Ergebnisse, die wir in die Bereiche positiv, negativ, Wünsche und Bemerkungen einteilten. Zusätzlich betrachteten wir den Interviewprozess im Nachhinein kritisch, um den Aufbau eines solchen Prototyps in Zukunft besser angehen zu können.

Am Ende eines jeden Sprints steht ein Review

Alles in Allem haben wir unser Ziel erreicht: wir haben den „Design Sprint“ als Prozess kennengelernt und Erfahrungen gesammelt, die bei jeder Gestaltungsfrage in nahezu jeder Branche eingesetzt werden können. Die grundsätzliche Auslegung des Prozesses auf das Testen mithilfe potentieller Kunden ist ein großer Vorteil im heutigen technologischen Trend der „Consumerization“. Unsere Durchführung war sicherlich nicht perfekt. An einigen Stellen war die Zeiteinteilung beispielsweise noch etwas wackelig. Auch erschien der Umfang der Grundidee für einen Sprint etwas weitläufig. Allerdings ist es an dieser Stelle wichtig nicht zu vergessen, dass der Prozess genau dieses erzwungene „Wegwerfen von Ideen“ provoziert, um einen bisher sehr langwierigen Prozess in nur eine Woche zu verpacken. Diese Mängel zu erkennen, zu bewerten, und beim nächsten Versuch zu vermeiden ist wohl eine der wichtigsten Erfahrungen eines solchen Testlaufs.

An dieser Stelle auch nochmal vielen Dank an Andreas Koop, Ulrich Gerkmann-Bartels und das restliche Team von enpit für diese super interessante Woche.