Vom 01. – 05.10. ließ sich Oracle auf der Zwillings-Konferenz Open World und JavaOne in San Francisco wieder mal in die Karten schauen. Ich hatte dieses Jahr das Vergnügen für esentri vor Ort zu sein und hatte während der Konferenz schon fleißig über Twitter und YouTube berichtet. Besonders war, dass das Ganze auch meine erste Reise über „den großen Teich“ war, weshalb die ohnehin schon ereignisreichen Tage für mich gleich noch aufregender waren. Natürlich wurde ich im Vorfeld von meinen erfahreneren Kollegen ausgiebig gebrieft. Aber wie das nun mal so ist, kommt so manches anders als erwartet.

Autonomous Database – Live in Concert

Jenseits des üblichen kleinen Kulturschocks, den man in einem neuen Land so hat, war es vor allem die schiere Größe der Konferenz, die alles mir bisher bekannte in den Schatten stellte. Gesperrte Straßen, unzählige parallele Sessions und wildes Gewusel von Besuchern, die sich auf dem Weg zu einem der zahlreichen Gebäude machten. Auch wenn ich mich als erfahrener Festivalbesucher gut in großen Menschenmengen zurecht finde, war es dennoch etwas komisch, dass ich mich anstatt zwischen Fans von Dosenbier und lauter Musik plötzlich inmitten tausender IT-ler*innen wiederfand.

Wer jetzt denkt, dass seien die einzigen Parallelen, hat weit gefehlt. Denn auch wenn kein Bier in den Dosen war, hatte es doch den Anschein von einem Metallica Konzert als plötzlich tausende Menschen in einen gigantischen Saal zur Keynote von Larry Ellison strömten. Zu meiner Enttäuschung folgte keine atemberaubende Liveshow, sondern lediglich ein zweistündiger Lobgesang auf die Oracle Cloud und die neue Autonomous Database, die grundlegend alles besser kann als jedes menschliche Wesen. Ganz zum Leidwesen der DBAs, die nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlugen.

Networking statt Technik

Zugegeben, ein bisschen Marketing muss sein. Immerhin ist die Open World ja auch eine Oracle-Veranstaltung und man darf sicherlich auch neue technologische Errungenschaften ins rechte Licht rücken. Aber verglichen mit der DOAG oder der JavaLand wurde ich das Gefühl nicht los, dass es bei vielen Sessions ein wenig am technischen Tiefgang mangelte. Was nicht heißen soll, dass es diesen nicht etwa gegeben hätte. Man musste nur etwas besser suchen. Apropos Suchen, an dieser Stelle sei jedem Besucher geraten, sich Zeit zu nehmen das Programm im Vorfeld zu studieren. „Einfach mal schauen“ funktioniert auf Grund der Größe schlichtweg nicht.

Außerdem bin ich beim Durchstöbern der Sessions auf überraschende Themen gestoßen, die ich so nicht erwartet hätte: Open Source, Machine Learning, Blockchain, Artificial Intelligence. Ganz neues Vokabular aus dem Hause Oracle oder ist da etwa jemand auf den Hype-Train aufgesprungen? Die Konsequenz, die ich jedoch daraus ziehen kann ist, dass Oracle tatsächlich momentan einen Wandel anstrebt. In unserer heutigen Zeit wird es immer schwieriger rein auf das proprietäre Pferd zu setzen. Offenbar hat Oracle das erkannt und beginnt in vielen Bereichen sich zu öffnen. Ganz zur Freude vieler meiner Gesprächspartner vor Ort.

Gerade diese Gespräche waren es auch, die für mich von besonders hohem Wert waren. Denn natürlich hat mich auch interessiert wie die altgedienten OOW-Besucher die diesjährige Konferenz bewerten. Der Tenor war: alles wirkte kleiner, einfacher, weniger pompös, weniger Show. Dennoch nicht zwingend schlechter. Hierbei wurde mir auch klar worin der primäre Sinn und Zweck für viele Besucher besteht: Networking. Die OOW ist eine ausgezeichnete Gelegenheit viele Partner, Kunden und Kollegen aus der ganzen Welt zu treffen. Demnach ist auch nachvollziehbar, dass die Technik teilweise erst an zweiter Stelle steht. Auch für mich waren die vielen neuen Kontakte und die zahlreichen Gespräche definitiv das Highlight dieser fünf Tage.

Nerd-Shirt meets Anzug

Dass sich die Java-Fraktion und der durchschnittliche Oracler nicht immer ganz grün sind ist eine Binsenweisheit. Obwohl die JavaOne dieses Jahr zum ersten Mal nicht mehr räumlich von der OOW getrennt war, konnte man in 90% der Fälle ihre Besucher auf Grund ihrer bunt gestalteten Java Shirts vom Anzug des OOW-Besuchers unterscheiden. Auch wenn die Garderobe etwas anderes vermuten lässt, respektiert man sich dennoch. Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Java Gemeinde sichtlich erleichtert über die kurz vor der Konferenz bekanntgegebene Übergabe von Java EE an die Eclipse Foundation war. Besonders deutlich wurde das spätestens bei der Java Community Keynote, die die Thematik humoristisch in einem kleinen Schauspiel verarbeitete. Gut zu erkennen auch an folgendem Satz auf einer der Folien:

„Java Changed more in the last 3 weeks than in the past 30 years.“

Man schöpft also Hoffnung, jetzt wo Java wieder in den Händen der Community ist.

Zum Abschluss ins Stadion

Spätestens Mittwochabend waren beide Gruppen allerdings friedlich vereint, denn für alle Musikliebhaber gab es auch noch ein richtiges Konzert. Zum Abschluss lud Oracle ins AT&T-Stadium zu Ellie Goulding und den Chainsmokers ein. Erstmals hatte man die Gelegenheit den größten Teil aller Besucher auf einem Fleck zu überblicken. Auch wenn fraglich ist, ob eine Herde IT-ler*innen das beste Publikum in der Karriere beider Künstler ist. Dennoch, die Stimmung war ausgezeichnet und das Ganze bot einen gelungenen Ausklang der Konferenz.

Für mich war der Aufenthalt definitiv eine großartige Erfahrung. Nicht nur, weil ich ein paar sehr spannende und lehrreiche Tage hatte. Auch Oracle als globales Unternehmen von einer anderen Perspektive kennenlernen zu können, war äußerst interessant. Ein Besuch der Oracle Open World und JavaOne lohnt sich definitiv und ich hoffe, das war nicht meine letzte Gelegenheit.