Architektur

IT-Architektur auf dem Pfad des agilen Wandels

Softwareentwicklung gewinnt im heutigen Informationszeitalter immer mehr an Bedeutung. Viele Unternehmen wollen sich dabei agiler aufstellen. Neben einer kurzen Darstellung warum Agilität für viele Unternehmen als zentraler Erfolgsfaktor angesehen wird, werden im Rahmen dieser Serie einige der typischen Missverständnisse im Kontext Agilität und Software-Architektur dargestellt, die immer wieder auftreten, wenn sich bisher weniger agil aufgestellte Unternehmen auf den schlüpfrigen Pfad des agilen Wandels begeben.

Jedes Unternehmen ist heutzutage ab einer gewissen Größenordnung mehr oder weniger stark von seiner IT-Infrastruktur abhängig. Die Märkte verändern sich und viele Unternehmen streben einen agilen Wandel an, weil sie sich eine höhere Flexibilität und Anpassbarkeit erhoffen. Hierbei sind neben der Veränderung in der eingesetzten Technologie auch Veränderungen in der Organisationsstruktur und im Kommunikationsverhalten notwendig. Gerade an diese sensiblen Schnittstellen zwischen Mensch und Technik, sowie der zugehörigen Organisationsstruktur und der dafür notwendigen Kommunikationskultur kommt es immer wieder zu gewaltigen Reibungen. Oft fehlt das Verständnis für diese Zusammenhänge sowie für technische Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Dies kann in der Folge zu Fehlentwicklungen führen, die schlussendlich das gesamte Unternehmen umfassen und damit die Unternehmensentwicklung und seine Wirtschaftskraft bedrohen können.

Warum ist Agilität für Unternehmen heutzutage so interessant?

Wir leben in einer Welt, in der sich ständig alles ändert, weil die Märkte in der heutigen Zeit nicht mehr die gleiche Beständigkeit wie in der Vergangenheit bieten. Disruptive Technologien schaffen neue Möglichkeiten. Neuartige digitale Geschäftsmodelle entstehen und gleichzeitig sind seit vielen Jahren erfolgreich bestehende Geschäftsmodelle im Kern ihrer Daseinsberechtigung bedroht. Daten sind das „neue Öl“, das sich nur mit einer entsprechend darauf ausgerichteten Systemlandschaft und Architektur „fördern“ lässt. Wie das im Detail für den jeweiligen Kontext geht, weiß man zu Beginn meist nicht so genau.

Dies gilt es von Fall zu Fall in der jeweiligen Branche mit den dafür notwendigen Fach- und Technologieexperten herauszufinden. Gefestigte Unternehmen können sich noch auf ihre bestehende Kundenbindung und ihr Know-How verlassen, doch jeder spürt den heißen Atem der Amazons, Teslas und Googles dieser Welt. Jedes größere Unternehmen ist gezwungen nach neuen Möglichkeiten zu suchen, um sein Angebot an die Frau/den Mann zu bringen, da es sonst Gefahr läuft gegen Technologiegiganten, die vehement in neue Märkte eindringen oder gegen schnell und clever agierende Startups letztendlich zu verlieren. Zudem deutet sich verschärfend in vielen gerade IT-affinen/abhängigen Bereichen eine „The winner takes it all“-Situation an. Vielleicht gibt es letztlich nicht den einen Gewinner, aber zumindest wird der Markt dank der globalen Möglichkeiten heutzutage schneller ausgedünnt als in den Jahrzehnten zuvor.

Bei diesem Wettlauf hat jedes Unternehmen individuell gestaltete Ausgangssituationen und genauso individuell gestaltet sich der jeweilige Weg zum Erfolg. Die digitale Transformation ist der zentrale Treiber für den agilen Wandel bei Unternehmen. Weder das genaue Ziel noch der Weg im Rahmen der digitalen Transformation sind dabei immer klar zu erkennen. Deshalb ist es erforderlich, dass man sich agil aufstellt. Änderungen müssen schnell und flexibel bewältigt werden können. Neue Ideen und Ansätze müssen verprobt und ausgelotet werden. Neben dem reinen Produkt sind oft ergänzend digitale Dienstleistungen von Bedeutung, die den Wert des Produkts steigern und erhalten. Schnelles Feedback, ob sich der neu eingeschlagene Weg auch wirklich lohnt, ist von zentraler Bedeutung. Agilität bedeutet Anpassbarkeit – „Survival of the fittest“. Darwins Thesen haben nicht nur bei Evolution der Spezies eine Bedeutung.

Organisationstruktur und Systemarchitektur – die Knautschzonen des agilen Wandels

Dies betrifft sowohl notwendige Technologien als Enabler zum Erfolg als auch die Organisationsstruktur, die eine entsprechende Agilität wiederspiegeln muss. Die Verbindung zwischen Organisationsstruktur und technischer Makro-Architektur wird hierbei über Conways Law treffend beschrieben. Eine reibungslose Zusammenarbeit im Unternehmen wird nur dann perfekt unterstützt, wenn sich Organisationstruktur und Systemarchitektur, Betrieb und Entwicklung der zugehörigen Systeme in passender Symmetrie befinden.

Conways Beobachtungen sagen, dass sich die Struktur und Architektur von Systemen stark nach den Kommunikationsstrukturen und somit der Struktur der umsetzenden Organisation ausrichtet. Ändert sich nun eine dieser beiden Seiten im Zuge des agilen Wandels in größerem Umfang (zumeist ändert sich beides parallel), so muss sich auch das entsprechende Gegenstück anpassen, andernfalls sind oft Kommunikationsbrüche und Blockaden in der Weiterentwicklung zu beobachten. Man erreicht also im schlimmsten Fall das Gegenteil von höherer Agilität. Zu beachten ist dabei, dass Systemänderungen an sich oft sehr viel einfach als organisationsstrukturelle Änderungen durchgeführt werden können. Auch die Kommunikationskultur im Unternehmen stellt dies immer wieder vor neue Herausforderungen. Veränderungen müssen kommuniziert werden, es muss Verständnis geschaffen werden – und das viele Male aufs Neue in entsprechend iterativen Zyklen.

Übrigens, eine wesentliche Zutat auf dem Weg zur agilen und digitalen Transformation wollen wir nicht verschweigen – Mut. Menschen stehen Veränderungen von Natur aus skeptisch gegenüber. Aber Agilität bedeutet „Veränderungen willkommen zu heißen“ – das ist nicht immer leicht.

Der Weg hin zur ganzheitlichen Agilität ist lang und steinig. Vier der typischen und immer wieder beobachtbaren Missverständnisse im Zusammenhang mit der dabei begleiteten technischen Transformation wollen wir in dieser Blogserie beschreiben und aufklären.