Vieles von dem, was ich über Digitalisierung lese, ist mir zu abstrakt. Meistens geht es um Produkte, Prozesse oder ganze Unternehmen. Deutschland hinkt da sowieso hinterher, heißt es dazu in den einschlägigen Medien. Die Konzerne trauen sich nicht und der Mittelstand schaut erstmal aus sicherer Entfernung zu. Wo überhaupt anfangen, fragen sich viele Firmenchefs vermutlich. Das Witzige dabei ist, dass Digitalisierung doch schon lange angefangen hat. Und zwar bei den eigenen Mitarbeitern, oft ganz leise und Schritt für Schritt. Und eins ist sicher: Digitalisierung geht auch nicht mehr weg.

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Während meiner Ausbildung in einer Werbeagentur hab ich noch Produktionsrechnen gelernt. Für eine Prüfung musste ich ausrechnen wieviel Rollen Papier ich brauche, um eine Zeitung mit einer Auflage von 100.000 Stück zu drucken. Ja, Print war zu der Zeit noch ganz groß. Radio auch und TV sowieso. Von Google Adwords, Facebook und YouTube hat da noch keiner gesprochen. Wenn ich jetzt so zurückschaue, hat sich eigentlich über Jahre hinweg meinen gesamten Job digitalisiert und ich habe es noch nicht mal richtig bemerkt. Bewusst wird mir das in Momenten wie diesen. Ich sitze mit meinem Notebook im Homeoffice und lasse vier Wochen Remote Working in Portugal Revue passieren.

Kann ich eigentlich mal für einen Monat nach Portugal?

Es war wieder spannend. Ich habe zwischenzeitlich eine neue Chefin und hatte keine Ahnung wie sie auf mein Anliegen reagieren würde. Im Sinn hatte ich vier Wochen im Oktober durch Portugal zu reisen und, nach meinen Erfahrungen als Digitale Nomadin in Asien, auch von dort aus zu arbeiten. Ihre Antwort auf mein Vorhaben brachte mich allerdings ins Grübeln. Im November sind wir jedes Jahr auf der DOAG Konferenz mit Messestand und einer großen Kundenparty, beides ist detailreich in der Planung und natürlich im Vorfeld zu organisieren. Also ist der Oktober als heiße Phase vielleicht nicht unbedingt die beste Zeit, um als Verantwortliche für die gesamte Eventorganisation im Ausland zu sein? Bei mir kamen erste Zweifel auf. Hm ja, die Konferenz ist für esentri enorm wichtig… schaffe ich das wirklich alles auch von unterwegs? Ich nahm mir ein paar Tage Zeit zum Nachdenken und war mir dann sicher: doch, es geht.

Also wurde paar Tage später der Flug gebucht. Nach meinen drei Monaten in Asien, waren vier Wochen Aufenthalt in Portugal zu planen eine recht unspektakuläre Sache. Technisch ist mein „Arbeitsplatz“ so aufgesetzt, dass ich theoretisch allzeit losziehen kann. Was ins Gepäck gehört, weiß ich mittlerweile auch. Das ist übrigens nicht viel. Eingecheckt hab ich nach meinen guten Erfahrungen im Frühjahr auch diesmal wieder keine 10kg Gepäck und habe nichts Wichtiges vermisst. Ich war an der Algarve, in Lissabon und Porto. Habe Portugal einmal durchkreuzt und dank coolen Gastgebern und AirBnB-Unterkünften das Land von seiner authentischen Seite kennengelernt. Logischerweise gab es viele Unterschiede zu meiner Zeit in Asien, besonders in Sachen Spontanität. Gleichzeitig ist Portugal dem deutschen Kulturkreis deutlich näher, was die Kommunikation oft einfacher gemacht hat. Diesmal hatte ich ganz bewusst nur einer Handvoll Kollegen von meinem Vorhaben erzählt. Warum? Mir ist es wichtig, dass das Thema Remote Working nicht nur für Freelancer und Selbstständige, sondern auch als Festangestellte „salonfähig“ wird. Und um etwas ganz selbstverständlich werden zu lassen, muss man es einfach… machen ;)

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Besuchte Coworking Spaces in Portugal